Hintergeht mich die Krankheit?

Ich weiß noch, wie ich anfing, "normal" abnehmen zu wollen. Hier ein bisschen weniger essen, da ein bisschen Kalorien zählen. Bis Gestern noch dachte ich, ich sei gedanklich endlich von der Krankheit fern. Ich schaute ohne Hass, ohne Ekel in den Spiegel. Nur an ein paar Zonen muss ich noch ein kleines bisschen arbeiten. Auf gewöhnliche Weise, versteht sich. Will einen Fehler nicht zwei Mal machen. Ein riesen Fortschritt, so dachte ich.
Also fing ich vor ein paar Tagen oder Wochen an, wieder an allen möglichen Stellen mein Essen zu reduzieren. Mir Gedanken über neue Fitnessgeräte für mein Zimmer zu machen. Noch nichts verwerfliches daran zu finden.
Gestern ein Spruch von meinem Freund, den ich zweideutig sah. Ich wollte den restlichen Abend nichts mehr vor ihm essen. Nicht mal eine Salzstange, die ich bis zu seinem Mund abbeißen sollte. Dieser Spruch verdarb mir jeglichen Hunger und ich kam mir vor, als wäre es ekelig wenn ich jetzt esse. Du kannst doch nicht sowas ungesundes essen, wenn du abnehmen willst. Iss lieber Obst zu Hause.
Ich nehme immer weniger Essen mit in die Schule. Und gesünderes. So wenig, dass ich großen Hunger zum Ende verspüre. Und ich mag dieses Gefühl. Du kannst ruhig ein wenig hungern, wenn du abnehmen willst. Vorallem in der Schule, wo du keine andere Chance hast, als dir etwas zu kaufen. Und ich weiß ganz genau, dass du kein geld für das essen ausgeben würdest.
Shoppingaktionen sind genauso stressig, wie damals. Ich merkte nur, wie ich ungedulig wurde, agressiv bei geringer Wartezeit, redete nur noch das nötigste und erledigte selber nur noch das nötigste. Du kannst doch nicht so viel auf einmal essen, wenn du abnehmen willst. Auch nicht, wenn du viel vor dir hast.
Mir wird sogar von kleineren Mahlzeiten in letzter Zeit recht schnell übel. Fettige Sachen, bilde ich mir ein, vertrage ich nicht. Eine passende Ausrede bei Mahlzeiten. Du kannst doch keine fettigen Mahlzeiten zu dir nehmen, wenn du abnehmen willst.
Heute erst, als mein Freund da war, hatte ich Hunger und wir gingen in die Küche. Er hatte keinen Hunger und keinen Appetit. Ich wollte nichts essen, wenn er nichts aß. Du kannst doch nicht mehr essen als er, wenn du abnehmen willst.
Ach, das hat doch alles nichts zu bedeuten, sagte ich mir. Aber wenn ich die ganzen Gedanken nur ein bisschen anders formuliere, sind es sofort Anzeichen, dass ich da wieder hereinrutsche. Aber was soll das? Mein Verstand sagte mir doch noch, ich könne einen Körper akzeptieren. Dabei spricht mein Handeln dagegen. Wie kann das sein, dass ich gerade dann rückfällig werde, wenn ich denke, es geschafft zu haben? Spielt mir da jemand einen Streich? Wie komme ich da ohne Hinweise von anderen Personen selber wieder raus? Es brauchte schließlich meinen Freund, der mich darauf aufmerksam machte. Ich hätte es nicht gesehen.

9.3.08 02:18

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